Kosmetik? Ja, vegan!

Die Zukunft ist vegan! Da sind sich die Fachleute einig. Und das betrifft die Ernährung. Wie bei jeder Fairänderung gibt es auch hier Widerstand von den Landwirtinnen über den Handel zu den VerbraucherInnen. Da ist es doch einfacher zu veganen Kosmetikprodukten zu greifen: Zum Shampoo mit Bananenduft, zum Duschgel mit frischer Minze oder zur Bodylotion mit Mango und Avocado. Die Werbung preist uns diese Produkte an mit: „Für Haare /Haut mit Heißhunger!“. Sehr lecker!

Warum eigentlich vegan? Wohlfühlkosmetik

Abbildung 1: Der Markt für die Kosmetik, sogenannte „Schönheitspflegemittel“, stagniert seit einigen Jahren in Deutschland. Es findet überwiegend eine Umverteilung innerhalb der Segmente statt, wie zB ein kurzzeitiger Hype der Seifen und Syndets in 2020 und eine langfristige Konsolidierung von Make-up Produkten. Statista prognostiziert einen leichten Anstieg der Umsatzzahlen bis 2026, bei dem in allen Segmenten: Körperpflege, Hautpflege, Dekorative Kosmetik und Düfte leichte Zuwächse erwirtschaftet werden sollen. Diese dürften aber durch die aktuellen Krisen deutlich geringer ausfallen, als erwartet. Bildquelle: https://www.ikw.org/der-ikw/fakten-zahlen

Die Kosmetikindustrie ist ein guter Gradmesser für Veränderungen. Aber nicht jedes Thema, das in der Kosmetik Niederschlag findet, hat auch Bestand. Bei „vegan“ dürfen wir aber davon ausgehen.

Und dafür gibt es viele Gründe:

Vegan ist Trend. Die junge urbane Bevölkerung will anders leben und tut es auch. In Städten ist der Anteil an veränderungsbereiten Milieus besonders groß. Ob sie aber ihre Präferenzen der Ernährung auf die Pflege ausweiten? Zu einem gewissen Grad sicherlich.

Vegan ist ethisch. Die Kosmetik hat immer noch unter dem Verdacht zu leiden, sie würden übelste Tierversuche machen, obwohl das in Europa schon lange verboten ist. Dennoch, Peta läßt nicht locker und zeigt uns VerbraucherInnen immer neue und nicht für möglich gehaltene Varianten des Tiermißbrauchs.

Vegan ist nicht ekelig. Wollten wir nicht eigentlich Wohlfühlkosmetik?? Dann sind  Rohstoffe, die aus Tierkadavern gewonnen werden out. Früher nahm man Wale aus und produzierte so Cetearyl Palmitate; wenn man Tierknochen verkochte, erhielt man Seife und Glycerin. Oder Kollagene, die als Hautglätter gepriesen wurden …. alles Schlachtabfälle. Und wenn jetzt Guido Maria Kretschmer Reklame für Lenor Weichspüler macht mit „Weichheit aus Pflanzen“, dann hat es einen Grund. Kationisch veresterte Tallowates.  Solche Rohstoffe “verstecken” sich in Haushaltsreinigern oder auch Seifen.

Braucht es noch mehr Ekel Feeling? Schlachtabfälle in meinem Bett?

Wenn ich also ein veganes Kosmetikprodukt verwende, dann weniger weil ich die Welt verbessern will, ich will mich einfach nur nicht ekeln.

Abbildung 2: Bananen-Shampoo und Deo mit Granatapfel. Ob Avocado, Grapefruit oder anderes Ost und Gemüse. Viele Kosmetikprodukte duften nicht nur danach, sondern werden auch als “Nahrung” verkauft.

Wollfett und Bienenwachs – in der Naturkosmetik erlaubt …

In der Naturkosmetik sind einige Rohstoffe erlaubt, die tierischer Herkunft sind, und für vegane Kosmetik daher ein Problem darstellen. Auch wenn für die Gewinnung kein Tier sterben mußte. Das sind zB Wollfett oder Bienenwachs, die beide gute Hautschutzeigenschaften haben. Aber auch Honig sowie Chitosan oder Chitin, die aus den Schalen von Krebstieren gewonnen werden.
Peta konstatiert hier in vielen Fällen auch Tierleid.

Vielen Verbraucherinnen aber wollen mehr als vegan: Natürlichkeit, Fairness und organische Herkunft.  

Das ist verständlich in einer Welt, die wir mit aller Macht in den Kollaps reiten: die Sehnsucht nach sauberem Wasser, unberührter Natur und wirkungsvollen Pflanzenextrakten. Synthesechemie, auch wenn sie vegan ist, wollen wir dann bitte lieber nicht. Für manches gibt es gute Gründe: Paraffinöl und Vaseline – aus fossilen Rohstoffen, Silikone – bioakkumulativ, Mikroplastik – adsorbiert Schadstoffe, Parfüminhaltsstoffe – gefährden Korallen und Fische. Die Liste ist lang.

Und wenn ich das Gefühl haben kann, mit meinem Kosmetikprodukt die Welt retten zu können? Warum nicht?

Die Menge macht‘s – Probleme mit der Landwirtschaft

Aber selbst, wenn wir es hinbekommen: vegan, natürlich und vielleicht sogar bio – glauben wir dass es echt geht? Denn wenn wir alle Kosmetikrohstoffe aus Pflanzen herstellen wollen, dann konkurrieren wir durch deren Einsatz mit der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Wir verschwenden Wasser, zB beim Anbau von Avocados  und auch die Pflanzenöle (Oliven, Sonnenblumen usw) müssen ja chemisch aufgespalten werden, damit wir Glycerin pflanzlichen Ursprungs einsetzen können. Und dann alles bitte in bio? Da kommen ganz schöne Mengen zusammen!

Denn die Tonnen von Shampoos von L’Oréal werden ja nicht in einer kleinen Manufaktur hergestellt, Haarsprays bei Henkel nicht von Hand gefertigt und Nivea Creme bei  Beiersdorf nicht in Kleingebinden produziert.
Wir sprechen hier von großindustrieller Fertigung.
Also über tonnenweise Rohstoffe, Wasser, Glycerin, Emulgatoren, Tenside und Fette. Alle bio? Alle vegan?

Wir müssen darüber sprechen, woher diese Rohstoffe kommen. Nämlich vom Acker. Die Biobauern wird es freuen, denn sie können dann ihre Produkte teurer verkaufen. Denn  das Bio Olivenöl? Soll es in die Creme oder in den Salat?

Nachhaltigkeit – mehr als ein Werbeversprechen?

Wenn ich mich als Verbraucherin für in veganes Kosmetikprodukt entscheide, will ich ja eigentlich mehr als mein Gewissen beruhigen. Ich möchte, dass mit unseren Ressourcen, mit unserem Planeten achtsam umgegangen wird. Wir können Pflanzenprodukte entweder essen oder chemisch verändern und dann als Rohstoffe für Weichspüler, Shampoos oder Cremes verwenden. Wir können Pflanzenprodukte auch in den Tank füllen oder an Tiere verfüttern. Aber wir müssen uns entscheiden, das eine oder das andere. Dazu sind die Ernten durch den Klimawandel bedroht. Schon heute hungern mehr Menschen auf der Welt als noch vor fünf Jahren.

Natürlich kann mir der Hersteller meiner Kosmetikprodukte versprechen, was er alles tut für die Nachhaltigkeit, gleichzeitig lohnt aber ein Blick in die Bilanzen. Und dort ist von der Veränderung nicht viel zu spüren. Denn die Hersteller dieser Produkte wollen ja ganz old school Gewinn machen. Das wollen vegane Marken irgendwie natürlich auch.

Meine Empfehlung: Wenn vegan, dann die Ernährung. Bei der Kosmetik – egal welcher – empfehle ich den sparsamen Gebrauch. Denn wie wir es auch drehen und wenden, ganz weg vom Tier werden wir nicht kommen, in der ökologischen Landwirtschaft gehören Tiere mit in die Stoffkreisläufe.

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