forpeople Sonnencreme Stift LSF 50

Hier geht es um nachhaltige Kosmetik und ein Start-up, das einige Anläufe gebraucht hat. Denn, die echten Innovationen findet Ihr nicht im Lebensmitteleinzelhandel oder im Drogeriemarkt: das wissen die Löwen aus der gleichnamigen Höhle genauso wie diejenigen, die als Business Angels in Start-ups investieren.

Wer mich kennt weiß, dass ich für meinen Blog auch immer auf der Suche bin nach Produkten und Ideen, abseits des Mainstreams. Manchmal finden sich solche Innovationen aber auch auf Messen, wie hier im speziellen Fall auf der Nachhaltigkeitsmesse der GLS Bank in Bochum am 6.6.26. , auf dem Gutes Morgen Festival. Ich betrachte hier den Sonnencremestift von forpeople.

Produktsteckbrief

Fast wäre ich an dem Stand vorbei gelaufen, muß aber doch irgendwie gezögert haben, so dass mich  Fritz, einer der Gründer von forpeople ansprach. Kosmetik auf der Nachhaltigkeitsmesse, ok, laß mal sehen. Letztendlich verkaufte er mir eine „Feste Sonnencreme Mini LSF 50“ für 6 Euro (statt regulär €9,90) Die Papphülse enthält 20 g Produkt.

INCI: Butyrospermum Parkii Butter, Caprylic/ Capric/ Myristic/Stearic Triglyceride, Zinc Oxide, Titanium Dioxide, Cera Alba, Iron Oxides ( CI 77491), Silica, Iron Oxides (CI 77492).  Kontrolliert biologischer Anbau (KBA) 5% gesamt hinter Cera Alba

Nachhaltigkeit auf und aus Papier

Ich finde die Papphülse als Stiftverpackung ist schon bemerkenswert, einfach weil sie so retro ist. Die Gestaltung  erinnert mich irgendwie an Jugendstil, Sesamstraße und den Auftritt des Theaters an der Ruhr. Dabei hat es die Papphülse in sich: sie muß schließlich aushalten, dass heißes Fett in sie gegossen wird und , dass man das Ganze dann auch mit Fingerdruck wieder nach draußen befördern kann. Im Zuge der Problematik von Ewigkeitschemikalien eine Herausforderung. Marc beantwortete meine Frage dahingehend, dass die Papierverpackung nicht  beschichtet sei, sondern von einem  Familienunternehmen aus Hannover produziert würde, die Farben verwenden, die  Blauer Engel zertifiziert sind.

Die Formel – oha kein typischer Stift

Ganz konsequent setzt das Start-up auf wasserfreie Formulierungen, in der Regel auf der Basis von Bienenwachs (Cera Alba). Bienenwachs  verwenden sie von einem demeter zertifizierten Hof Gut Wulfsdorf mit eigener Imkerei    (daher der Hinweis KbA)
Wasserfrei  macht Sinn, denn dann erspart man sich die kosten- und zeitintensiven mikrobiologischen Untersuchungen und den Einsatz von Konservierungsmitteln.  

Gleichzeitig verspricht man uns Verwenderinnen aber eine Menge: peta approved – check, ohne Nanoteilchen – mit mineralischen Filtern – ok, nur sieben Inhaltsstoffe – check.

Dabei ist das Produkt Korallen-freundlich, nicht klebrig und wasserfest. Der Begriff #reefsafe wird hier nicht verwendet. Vielleicht weil es für die Käuferinnen dieser Produkte nicht relevant ist?

Fragen an forpeople

Natürlich ergaben sich während des Schreibens meines Artikels Fragen und so kontaktete ich das Start-up. Sofort erhielt ich Antwort und machte einen Telefontermin mit Marc aus. Unser Gespräch fand am 26.06.26 statt. Fritz und Marc, die beiden Gründer  kommen aus dem Umwelt Bereich. Ihre Idee stammt aus dem Kletterbereich, speziell die Handpflege. Zielgruppe sind daher auch Leute, die  nachhaltig unterwegs sind,  Sportlerinnen aus dem  outdoor Bereich und Personen mit  Hautproblemen.

Start-ups haben es in Deutschland nicht leicht, dennoch gründeten 2020 Benno, Fritz, Lennart und Marc die Vorläuferfirma: 4peoplewhocare. Als Geldgeber fungierten sie erst mal selbst und verwendeten Preisgelder aus Ideenwettbewerben. Dann sind sie auf eine Bank zugegangen (ja klar, die GLS Bank, die ihre Kundinnen auf der Nachhaltigkeitsmesse präsentiert hat) und später dann auch auf Business Angles. Das hatte in letzter Konsequenz zur Folge, dass die Produkte teurer wurden. Ganz nebenbei  kamen noch andere Herausforderungen dazu: Pandemie und Ukraine Krieg, Inflation und Insolvenz. Dass es forpeople gibt, liegt an Wilfried Gillrath, einem Business Angel , der die Firma  2025 kaufte.  

Rezepturentwicklung , Produktion und Biodiversität:

Als sie als 4peoplewhocare gestartet sind, haben sie ihre Rezepturen  selbst entwickelt und auch selber produziert. Jetzt sind sie eine Kooperation mit einem Familienunternehmen eingegangen, das nur Naturkosmetik herstellt. Die verwendeten  Rohstoffe sind  bio-zertifiziert und kommen idealerweise  direkt vom Erzeuger wie beim Bienenwachs.

Daher rührt auch die Aussage „jedes Produkt schützt 1 qm Biodiversität“ – auf dem Demeterhof werden wirklich langjährig (3-5 Jahre) Blühstreifen gefördert.  Weiterhin betreiben sie ein eigenes Projekt System „impact“ Model, damit wollten von Beginn an C2C Abläufe schaffen.  Neu ist, dass sie Generation Forest  unterstützen, die alte Regenwaldfläche brach liegen lassen.

Einen großen Batzen Geld aber verschlingt die Biozertifizierung. Dabei ist die Registrierung bei peta (Unternehmenszertifizierung) als „Tierversuchsfrei“, und bei Produkten ohne Bienenwachs „vegan“  relativ einfach. Die Natrue Siegel sind super aufwändig, da jährliche Firmenaudits gemacht werden und jedes Produkt einzeln zertifiziert werden muß.

Und die Anwendung?

Mit dem Sonnenstift habe ich den Bestseller erworben, von dem jährlich mehr als  10.000 Stück verkauft werden. Aber wie fühlt er sich an?

Mein kleiner Anwendungstest ergibt: Der Stift läßt sich leicht aus der Hülse herausdrücken, der Auftrag ist butterweich, die Verteilbarkeit des Produktes (ich mache das mit den Fingern) ist prima.
Doch bei diesen Hitzetemperaturen läßt sich der Stift nicht in die Hülse zurück drücken – er verformt sich nur. Deswegen parke ich ihn im Kühlschrank zwischen.

Das Produkt hat eine gute Deckkraft: im Vergleich zur meiner unbehandelten Haut ist die behandelte Stelle deutlich heller. Daß sie nicht geisterhaft bleich ist, ist dem Eisenoxid (in der Formel enthalten) zu verdanken.

Abbildung: Auftrag des Stiftes auf den Unterarm. A: direkt mit dem Stift das Produkt auf die Haut aufgetragen, B: das Produkt auf dem Unterarm verteilt. Man sieht deutlich die Deckkraft des Produktes, die auch im Vergleich zu dem unbehandelten Areal (direkt unterhalb des Handgelenks). Durch das Verteilen läßt sich fast der gesamte Unterarm behandeln.

Wie bei allen Stiftrezepturen für größere Hautflächen muß man mit den Fingern nacharbeiten. Dies ist gerade bei Sonnenschutz auch explizit zu empfehlen, weil wir ja keine Stellen „vergessen“ und einen möglichst gleichmäßigen Auftrag erzielen wollen.  Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass es kein „Bräunungsprodukt“   ist, sondern ein Produkt, mit dem ich mich verläßlich gegen Verbrennungen schützen will. Deswegen wird es in den meisten Fällen auch nicht am ganzen Körper angewendet werden, sondern im Gesicht, auf dem Schädel,  Dekolletee, Hals , Ohren und anderen exponierten Hautstellen. Sollte man auf die Idee kommen, es wie eine Sonnenschutzcreme im Sommer zu verwenden, schätze ich, dass man sich etwa zwei mal komplett mit dem Mini Stift „eincremen“  könnte .

Fazit

Hier haben wir es mit einem  Produkt von einem Unternehmen zu tun, dass Nachhaltigkeit nicht nur als Stichwort im Geschäftsbericht hat, sondern sie auch leben will. Dafür sind die Gründer auch bereit die sogenannte extra-Meile zu gehen. Doch die Marktlage ist schwierig: Ein kostengünstiges Produkt mit einer geringen Stückzahl zu verkaufen mit ausgewählten, regionalen Zulieferbetrieben ist schon eine Herausforderung. Vielleicht nehmen wir als Verwenderinnen auch mal die Herausforderung an und probieren das eine oder andere Produkt von der Webseite? Immerhin haben wir hier echte, zertifizierte Naturkosmetik. Und für welche Zielgruppe wäre die nicht geeigneter als für Babies?

Bildnachweis:

Alle Bilder eigene Werke

 

 

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