KOSMETIKBLOG

Hyperästhetik ist eigentlich ein Begriff aus der Kunst und beschreibt eine Übrtreibung. Mittlerweile hat er aber den Weg in den Mainstream gefunden, über die KI und die Sozialen Medien. Es sind KI generierte Bilder, die mittlerweile unser Verständnis von Schönheit beeinflussen

Der Siegeszug der KI ist nicht mehr aufzuhalten. In fast allen Bereichen hat sie sich heimlich oder auch offiziell breit gemacht. Damit beeinflußt sie, was wir täglich in social media sehen, welche Songs wir hören, wie wir sie hören, wie wir Texte formulieren und wie wir Präsentationen strukturieren – und was wir als schön empfinden. Mehr noch, wir erleben dadurch einen Perfektionismus, den wir ohne KI nicht erreichen können.

Das Schönheitsbild im Wandel der Zeit

Was wir als „schön“ empfinden, wird zum einen von biologischen Parametern und zum anderen vom kulturellen Umfeld beeinflußt. Da sich dieses kulturelle Umfeld zunehmend in den digitalen Raum verschiebt, beobachten wir seit etlichen Jahren Verfeinerungen: Weichzeichnerfilter, automatische Augenkorrektur und Aufhellung sind features , die unsere Smartphones dafür bereit stellen. Damit ist unser Aussehen heute nicht mehr ge“photoshopped“, wir machen kein „duckface“ mehr, sondern der gesamte Auftritt ist „instagrammable“.

Es bleibt aber nicht bei Korrekturen unseres digitalen Auftritts. Viele wollen auch „in Echt“ so aussehen wie ihre Vorbilder im Netz. Dafür zeigen Schönheits-Docs mit vorher-nachher Bildern, wie sie ihre Kundinnen verschönern. Dagegen wirken Hyaluronsäure und Botox fast schon altbacken. Und dieser Trend macht auch vor Männern nicht halt.

Abbildung: Ich habe ChatGPT gefragt mir seine Version eines hyperästhetischen Frauengesichts zu zeigen. Das ist mir aufgefallen: Es ist ein Bild, dem nur ein winziger Bruchteil von Gesichtern entspricht, zudem ist die dargestellte Person heller Hautfarbe und gehört damit nicht zur globalen Mehrheit.

Die Parameter nach denen Hyperästhetik eingeordnet wird, sind:

Hohe Symmetrie des Gesichts – Die Gesichtshälften sind nahezu symmetrisch.
Hohe, ausgeprägte Wangenknochen – Ein Merkmal, das bei Models häufig anzutreffen ist und mit der Ästhetik von Editorial-Shootings assoziiert wird.
Definierte Kieferpartie – Eine markante, klar konturierte untere Gesichtspartie.
Gerade, schmale Nase – Gilt oft als harmonisch im Verhältnis zu den übrigen Gesichtsproportionen.
Mandelförmige, tiefliegende Augen – Augen, die für einen starken, intensiven Blick sorgen.
Gut definierte Augenbrauen – Sie umrahmen die Augen und tragen zur Struktur des Gesichts bei.
Volle, aber wohlproportionierte Lippen – Insbesondere ein ausgeprägter Amorbogen.
Längliche Gesichtsproportionen – Eine ovale bis längliche Gesichtsform, wie sie bei Modemodels häufig vorkommt.
Hoher Gesichtskontrast – Dunkles Haar und dunkle Augenbrauen im Kontrast zu heller Haut lassen die Gesichtszüge markanter wirken

Performance in allen Bereichen

Wenn wir uns schon alle erdenkliche Mühe geben, dass schönste / Beste Ich zu präsentieren, wollen wir auch, dass unserer Hautpflege performt. Früher wurde  das von Cosmeceuticals angepriesen, heute sind die Wirksamkeitsversprechen „smart clinical repair“ , „mit Stammzellen“ oder einfach „Longevity“.  Im Netz gibt es sogar Angebote, wie man seine Gesichtszüge ohne OP verbessern kann

Hyperästhetik oder Gleichmacherei?

Vor einigen Jahren noch gab es auf social media Foto-Strecken, die zeigten wie in Süd-Korea ein bestimmtes Schönheitsideal „standardisiert“ wird. Als Resultat sahen die Gesichter vieler Frauen zwar schön, aber austauschbar aus.

Eine ganz ähnliche Entwicklung sehen wir jetzt auch in Nord-Amerika. Eine Freundin von mir hat es nach Los Gatos verschlagen, sozusagen der Herzkammer des Silicon Valleys. Dort sind die Frauen alle schlank, trainiert und tragen eine bestimmte angesagte Sportmarke. Alle, so sagt meine Freundin, haben ästhetisch „was machen lassen“.

Am kontroversesten diskutiert wird dabei möglicherweise der erneute Facelift von Kris Jenner, die diesen zu ihrem 70gsten Geburtstag präsentierte. Allerdings auf Instagram mit zusätzlichem Filter.

Schönheit ist politisch

An anderer Stelle geht es aber auch bei Jüngeren zur Sache: Das Mar-a-Lago-Face, die optische Vereinheitlichung der Trump-Anhängerinnen. Die Eingriffe sind meistens Lippenvergrößerung, das Spritzen von „dermal fillers“ zur Konturierung des Kinns und der Wangen und die Verwendung von Botox. Erzeugt werden soll eine „modern aristocratic mask“ Eine moderne aristokratische Maske. . Das nimmt teilweise extreme Formen an und die location – hat sich auch verlagert, nach Washington  DC. Hier ist die Veränderung von Kristi Noem zu einer „süßen“ Frau auffällig kontrastiert zu ihrer Aufgabe: U.S. Homeland Security Secretary.

Wer nicht gleich zum Schönheits-Doc geht, versucht es vorher mit dem Maga-Make-up bei dem das Make-up dick aufgetragen wird. Als prominentes Beispiel dafür gilt Karolin Leavitt (Pressesprecherin des Weißen Hauses).

Amanda Maryanna analysiert das Mar-A-Lago-Gesicht und stellt eine Verbindung zum Faschismus her.  Dazu gehören auch so Sachen wie „Performing gender“, eine Überbetonung des Geschlechtes, dem man angehört und das dann auch „Ultra oder hyper feminity“ genannt wird.

Hyperästhetik – der Gegentrend

Es gibt keinen Trend, zu dem sich nicht einen Gegentrend entwickeln würde. Im Fall der faschistischen von der KI verbreiteten Hyperästhetik sind es sogar ganz viele.

In Los Gatos sind es die geblümte Yogahose meiner Freundin und ihre nicht gefärbten Haare. Aber auch die Erkenntnis, dass Schönheit nicht etwas von Außen aufgesetztes ist sondern aus unserem Inneren entspringt. Dazu gehört auch eine bewußte Ernährung.

Da Ästhetik aber immer Zugehörigkeit wieder spiegelt, geht ein Trend in eine unaufgeregte, aber wirksame Hautpflege, die nicht auf die eigene Inszenierung setzt.
Ein anderer ist die Reduktion der Pflege auf das notwendige Minimum „reduce tot he max“. Dabei hilft auch die Erkenntnis, dass man manche Dinge einfach in Ruhe lassen muss (wie zB auch die Natur), damit sie sich regenerieren können.

Bleibt zu hoffen, dass sich die faschistische Hyperästhetik selbst tot läuft. Denn Unterspritzungen (dermal filler), wie sie am Mar-a-Lago-Face vorgenommen werden, werden vom Körper langsam abgebaut. Ein immer mehr von ästhetischen Eingriffen aber führt auf lange Sicht nicht zu schöneren Gesichtern. Durch die Narben, die jeder Eingriff hinterläßt, entstehen mit der Zeit häßliche Fratzen. Und das ist Karma.

Bildnachweis

https://app.envato.com/search/photos/90014f9c-78f7-494e-8b98-aacffdc0ab8b?itemType=photos&term=hyperesthetics+face mit freundlicher Unterstützung von Lilies n' birds.

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